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Führung
Ein Anforderungsprofil ist eine Hypothese über die Zukunft.

Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit
Viele Anforderungsprofile beschreiben den Vorgänger: Was hat er mitgebracht, was hat gefehlt, was soll diesmal besser werden? Das ist verständlich und legitim. Die ergiebigere Frage richtet sich aber nach vorn.
Kurz gesagt
- Ein Profil, das nur die Vergangenheit spiegelt, sucht im Grunde einen verbesserten Vorgänger.
- Die Leitfrage lautet: Welche Aufgaben muss diese Person in den nächsten drei bis fünf Jahren lösen?
- Daraus ergeben sich Kompetenzen, für die es am Markt oft noch keinen passenden Jobtitel gibt.

Rückspiegel und Windschutzscheibe
Wenn eine Position frei wird, liegt der Vergleich mit dem bisherigen Stelleninhaber nahe. Man kennt seine Stärken, man hat seine Lücken erlebt. Ein Profil, das daraus entsteht, ist präzise, aber es blickt zurück. Es beschreibt die Aufgabe, wie sie war, nicht wie sie sein wird.
Gerade in Unternehmen, die sich verändern, ist das eine Falle. Neue Märkte, neue Technologien, eine neue Eigentümerstruktur: Die Person, die gestern gepasst hätte, ist nicht zwingend die, die morgen benötigt wird.
Ein Anforderungsprofil ist kein Protokoll der Vergangenheit. Es ist eine Hypothese über die Zukunft.
Drei Fragen für ein belastbares Profil
Bevor wir mit einer Suche beginnen, klären wir mit unseren Mandanten drei Fragen:
- Wohin entwickelt sich das Unternehmen in den nächsten Jahren, und welche Rolle spielt diese Position dabei?
- Welche Entscheidungen wird die neue Person treffen müssen, die heute noch niemand trifft?
- Was muss sie können, das im Unternehmen bislang fehlt?
Die Antworten verschieben die Prioritäten oft deutlich. Aus „zehn Jahre Branchenerfahrung“ wird zum Beispiel „Erfahrung mit dem Aufbau eines Vertriebs in einem neuen Markt“. Das ist eine andere Suche, mit anderen Kandidaten.
Die Hypothese am Markt prüfen
Eine Hypothese muss sich bewähren. Unser Research zeigt früh, ob es Menschen mit dem beschriebenen Profil gibt, wo sie arbeiten und was sie zu einem Wechsel bewegen könnte. Manchmal bestätigt der Markt das Profil, manchmal schärfen wir es gemeinsam nach. Beides ist wertvoll, denn es verhindert eine Suche nach jemandem, den es so nicht gibt.
Was das für die Auswahl bedeutet
Wer nach vorn sucht, beurteilt auch anders. Zertifikate und Abschlüsse bleiben wichtig, aber sie erzählen von der Vergangenheit. Ebenso aussagekräftig sind Motivation, Lernfähigkeit und der erkennbare Wille, eine Aufgabe voranzutreiben. Auf der Hannover Messe 2026 beschrieb der Werksleiter der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg genau diese Gewichtung als Schlüssel seines Erfolgs.
In unserem Bewerber-Audit mit 114 Kriterien beurteilen wir deshalb nicht nur, was jemand bisher erreicht hat, sondern auch, wie er an neue Aufgaben herangeht. So wird aus einer guten Hypothese eine gute Besetzung.
Über den Autor
Felix Graffenberg
Geschäftsführender Gesellschafter der KON-PART. Zuvor war er mehr als 25 Jahre Geschäftsführer und Gesellschafter von IT-Unternehmen.
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